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Grünes Aluminium: Verbindliche Standards fehlen

14.12.2020
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Die London Metal Exchange (LME), die größte Metallbörse der Welt, spielt auch bei Aluminium-Kontrakten eine führende Rolle. Am LME-Preis für die verschiedenen Aluminium-Sorten orientiert sich der Handel weltweit - auch wenn längst nicht alle Geschäfte über die LME laufen. Einige Marktteilnehmer hoffen nun, einen offiziellen LME-Preis speziell für grünes, sprich CO2-armes Aluminium zu bekommen, eine Art Persilschein für die Umweltfreundlichkeit des Metalls.

Aber davon kann offenbar keine Rede sein. LME-Vorstandschef Matthew Chamberlain betont zwar: “Die LME hat gelernt, dass Nachhaltigkeit für alle Marktteilnehmer immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wir wussten das im Prinzip schon, als wir unsere Initiative über die verantwortungsbewusste Beschaffung starteten, die nun erfolgreich läuft. Inzwischen gehen wir aber viel weiter, streben nach einer umfassenderen Perspektive.” Das heißt aber keineswegs, dass Matthew Chamberlain einen neuen LME-Kontrakt für grünes Aluminium plant. Im Gegenteil, laut Chamberlain hat die LME “es deutlich gemacht, dass wir CO2 nicht als den Heilige Gral der gesamten Nachhaltigkeit sehen. Das ist der Grund, warum wir Nein gesagt haben, als einzelne Marktteilnehmer einen Kontrakt für CO2-armes Aluminium forderten.”

„Thema Grünes Aluminium wegen des kommerziellen Nutzens in Beschlag genommen“

Ohnehin stieß die Idee eines solchen neuen Aluminium-Kontrakts auch in der Branche selbst auf weit mehr Widerspruch als Zustimmung. Zum Beispiel von Hilde Merete Aasheim, CEO von Norsk Hydro. Sie befürchtet, dass die LME einfach einen viel zu niedrigen Standard für Grünes Aluminium setzen würde. Hydro ist relativ nah am Markt, produziert in Norwegen mit Wasserkraft in modernen Hütten ein sehr viel grüneres Primär-Aluminium als andere Unternehmen. Auch außerhalb Europas haben Industrielle wie etwa Satish Pai, der Managing Director von Hindalco Industries, der großen indischen Gruppe, schon erklärt: “Ein paar Unternehmen haben das Thema Grünes Aluminium für sich wegen des kommerziellen Nutzens in Beschlag genommen”. Pai fordert deshalb eine “ganzheitliche, umweltbetonte nachhaltige Betrachtung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg“.

Alcoa, der amerikanische Marktführer, hat unter dem Titel Sustana eine ganze Familie von CO2-armen Produkten entwickelt und garantiert dabei mit dem als Brand eingetragenen Warenzeichen EcoSource™, dass diese Produkte die Umwelt mit nicht mehr als maximal 0,6 Tonnen CO2-Äquivalent (CO2e) je Tonne Aluminium belasten. Dabei sei allerdings die Bauxit-Gewinnung mit einbezogen. Spätestens da beginnt das Problem. Denn alle Vergleiche hinken, so lange nicht klar ist, wer was einbezieht. Der komplette Lebenszyklus enthält ganz andere Zahlen und Fakten als nur den Einsatz CO2-armer Energie.

Bis sich die einzelnen Produzenten auf einen allgemein bindenden Standard geeinigt haben, kann es Jahre dauern. Denn, so der LME-Chef: “Das erste, über das wir uns alle einig sind, ist dass jeder eine ganz unterschiedliche Ansicht zur Nachhaltigkeit hat. Verschiedene Menschen vertreten verschiedene Ansichten, etwa ob Wasserkraft besser als Windkraft ist - oder umgekehrt. Genauso gibt es keine einheitliche Vorstellung des Begriffs vom Carbon Footprint. Das allerletzte, was wir wollten, wäre, nach draußen zu gehen und zu sagen, dieser Produzent ist grün oder einer anderer ist noch grüner oder noch ein anderer ist weniger grün.” Chamberlain betont zwar, dass die LME keineswegs plant, einen Standard für CO2-armes Aluminium vorzugeben. Aber mit seinem Vorhaben, eine Spotmarkt-Plattform zu bieten, auf der Verkäufer von Aluminium und in Zukunft vielleicht auch anderer Metalle freiwillige Angaben über den Carbon Footprint machen, stiftet er zumindest bei manchen Außenstehenden Verwirrung.

Denn nicht jeder kennt den Unterschied zwischen einer normalen, Richtpreis-setzenden LME- Handels-Plattform und dem Spotmarkt-Handel. Die Gefahr des Missbrauchs ist kaum auszuschließen. Doch Chamberlain betont, dass die LME keine Standards setze, weder für Aluminium noch für irgendein anderes Metall. Die Börse wolle nur den Produzenten helfen, auf freiwilliger Basis über die Nachhaltigkeit ihrer Produkte zu informieren, dies angemessen verifizieren, um so Vertrauen bei den Marktteilnehmer zu wecken. Der LME-Chef will nach dem Motto “Tue Gutes und rede darüber” ein breites Spektrum ethischer Aspekte einbringen. Er sei “geradezu leidenschaftlich daran interessiert, Wege zu finden, all diese Informationen an den Markt zu bringen und so zu helfen, eine bessere Welt aufzubauen.”

     

Autorin: Dr. Katharina Otzen-Odrich

    


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