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18. – 20. Mai 2021
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Das Elektroauto belebt die Aluminium-Nachfrage

31.07.2020
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Das wachsende Interesse an Elektroautos belebt derzeit auch die Stimmung an den Metallmärkten. Das gilt nicht nur für Batterie-Metalle. Leichtmetall ist für Energie sparende Fahrzeuge ganz besonders gefragt. Das hilft auch die Aluminium-Nachfrage wieder zu beleben. In absolute Zahlen können die Elektrofahrzeuge zwar bisher weder in Deutschland noch in anderen europäischen oder globalen Märkten mit den durch Benzin- oder Diesel-Motoren angetriebenen Automobilen mithalten. Aber bei den Wachstumsraten sind weltweit die Elektroautos klar Spitzenreiter und fahren allen davon. Das gilt auch für Deutschland: Die Erstzulassungen von Elektrofahrzeugen sind hier in in den drei Monaten April, Mai und Juni dieses Jahres um insgesamt 26 Prozent gestiegen. Im ersten Halbjahr 2020 erreichten die Elektroautos einen Zulassungsanteil von 16,7 Prozent - ihr bisher bestes Ergebnis. Dabei schnitten die Plug-in-Hybrids etwas besser ab als die reinen so genannten Stromer.

Zu diesem brillanten Ergebnis trug die Coronavirus-Pandemie indirekt bei. Sie belebt inzwischen nämlich den Automobil-Absatz insgesamt wieder, weil die strengen Vorschriften, in Öffentlichen Verkehrsmitteln stets Masken zu tragen, viele Menschen aus den Bussen, Zügen und Flugzeugen ins eigene Auto treiben. Denn hier gilt dieser Masken-Zwang natürlich nicht. Die Tendenz dürfte auch weiter anhalten und damit den Absatz von Aluminium fördern, da die Elektroautos zur Gewichtseinsparung viel mehr von dem Leichtmetall enthalten als bisher die herkömmlich angetriebenen Fahrzeuge.

Herbert Diess, der CEO der VW-Gruppe, hat im Juli diesen Jahres erklärt, dass “in fünf bis zehn Jahren das wertvollste Unternehmen in der Welt ein Mobilitäts-Unternehmen sein wird.” Diess nannte als Kandidaten für die Position “Tesla, Apple oder Volkswagen”. Inzwischen ist Tesla zum wertvollsten Autokonzern der Welt aufgestiegen. Ergeben hat sich das im laufenden Jahr, in dem der Elektroauto-Pionier Tesla eine Steigerung des Börsenkurses seiner Aktie um mehr als 250 Prozent erlebte. Damit erreichte Tesla in der ersten Juli-Hälfte 2020 einen Börsen-Kapitalisierungs-Wert von 300 Milliarden US-Dollar (US$). An zweiter Stelle folgt Toyota mit rund 200 Milliarden US$ und Volkswagen mit knapp 140 Milliarden Euro. Der US-amerikanische Autoriese General Motors bleibt mit nur 37 Milliarden US$ weit hinter diesen Werten zurück. Wie es weitergeht, hängt entscheidend davon ab, wie erfolgversprechend alle Großen ihre Konzerne und Lieferketten strukturieren. Das gilt gleichermaßen für die Komponenten-Beschaffung, die Produktion wie auch die pünktliche Versorgung der Märkte.

Nach dem Diesel-Emissions-Skandal hat sich Volkswagen auf die Elektrifizierung aller 12 Konzernmarken konzentriert und schnell angekündigt mit Investitionen von 33 Milliarden Euro binnen der nächsten zehn Jahre insgesamt 75 neue Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen. Dabei ist interessant, dass sich trotzdem die angestammten VW-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor weiterhin recht gut verkaufen. Letzteres gilt zugleich aber auch für den eGolf, also den elektrifizierten klassischen VW Golf. Doch das erste der komplett neu entwickelten VW-Elektrofahrzeuge, der ID.3, kommt mit etwas Verspätung: von September diesen Jahres an hofft VW nun ausliefern zu können. 37 000 Käufer haben sich für diesen Wagen schon angemeldet. Die meisten von ihnen sind keine bisherigen VW-Kunden, während bei den VW-Autos mit Verbrennungsmotor die Stammkunden klar überwiegen. Jürgen Stackmann, Verkaufschef für die Elektrofahrzeuge des Konzerns, hofft, in diesem Jahr schon etwa 60 000 bis 70 000 ID.3 ausliefern zu können. Für die Produktion vom ID.3 und seinem SUV-Schwestermodell ID.4 hat Stockmann etwa 100 000 Stück in 2020 als Ziel.

Im Vergleich dazu liegt Tesla bisher allerdings weit vorne. Allein im zweiten Quartal des Jahres hat Tesla 90 000 seiner Elektrofahrzeuge verkauft. Und noch weit vor Tesla rangiert bei den Elektroautos die chinesische Automobilindustrie. Als deren europäische Tochter  gehört dazu über die Geely Holding auch die schwedische Volvo Car Group. Geely besitzt auch Edelmarken wie Lotus und Proton. Auch die britische LEVC, der Hersteller der berühmten black cabs, der schwarzen Taxis in London, gehört zu Geely. In China gibt es nach dem Ausscheiden einiger kleinerer Hersteller inzwischen noch ein Dutzend Produzenten von Elektrofahrzeugen. Dabei wird im Lande selbst selbst damit gerechnet, dass sie diese Zahl in den kommenden Jahren angesichts eines äussert scharfen Wettbewerbs noch einmal - auf dann voraussichtlich sechs Unternehmen halbiert.

Jede Produktionssteigerung bei Elektroautos schlägt sich in verstärkter Nachfrage am Aluminiummarkt nieder. Das im Vergleich zu Stahl geringere Gewicht von Aluminium hilft, die Fahrzeuge leichter zu machen und den Energieverbrauch beim Fahren zu senken. Ein “Nebenvorteil” des höheren Aluminiumanteils im Elektrofahrzeuge ist auch dessen ergiebigere Verschrottung. Aluminium lässt sich mit vergleichsweise geringem Energieaufwand einschmelzen. Was dabei herauskommt, ist neues, wieder im Fahrzeugbau einsetzbares Aluminium. Aus eingeschmolzenen Aluminiumdosen lassen sich ohne jegliche Qualitätseinbußen Autoteile produzieren. Das ist ganz anders als beim Stahl: Aus eingeschmolzenen Stahlblechdosen lässt sich keine Brücke bauen.

Autorin: Katharina Otzen-Odrich / London


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