• 27. – 29. September 2022
  • Messegelände Düsseldorf

„Oberflächenverliebt, vielfältig, selbstbewusst“

15. August 2022
Düsseldorf

Im Rahmen der ALUMINIUM wird auch die Oberflächenveredelung Thema sein. Welche aktuellen Fragen beschäftigen die Branche? Welche Forschungsprojekte laufen in diesem Bereich? Ein Gespräch mit Alexa A. Becker vom VOA.

ALUMINIUM: Frau Becker, der VOA ist auf der ALUMINIUM 2022 in Düsseldorf vertreten. Was dürfen die Besucher der Messe von Ihnen erwarten?

Alexa A. Becker: Die Erwartungen der Messebesucher sind hoffentlich hoch, und nach den letzten Jahren freuen wir uns schon jetzt auf den persönlichen Austausch in dieser ambitionierten Zeit. Seien Sie uns in Halle 7a, Stand A05 herzlich willkommen und nutzen Sie die Gelegenheit, mit uns zusammen über die aktuellen Herausforderungen der Oberflächenveredelungsindustrie zu sprechen. Wir als Wirtschaftsverband für diese kleine, aber besondere Branche vertreten seit sechs Jahrzehnten die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen in Politik, Öffentlichkeit und Medien.

 

Es gibt wohl auch viel Aktuelles zu besprechen?

Becker: Ja, nahezu stündlich ereilen uns neue Nachrichten mit Einfluss auf die Wirtschaft in Deutschland und in Europa: Energiesicherheit und die Bezahlbarkeit von Energie in der Produktion, Fachkräftemangel, gestörte Lieferketten und der Umgang mit Ressourcen, die industrielle Transformation und die globale Digitalisierung sowie die Cyberkriminalität – um nur kurz anzureißen, welche vielfältigen Themen zu meistern sind. Unsere Mitglieder erwarten zu Recht, dass wir uns für sie einsetzen, die politische Lage im Fokus behalten und Hilfestellung für die Alltagsthemen im Unternehmen bieten. Von daher ist es uns wichtig, die Erwartung der Messebesucher an die Oberflächenveredelungsbranche kennenzulernen, in den gemeinsamen Austausch zu kommen und über das Leistungsportfolio unserer Mitgliedsunternehmen zu informieren. Wir freuen uns darauf!

 

 

 

 

 

Alexa A. Becker ist Geschäftsführerin des Verbands für die Oberflächenveredelung von Aluminium e. V. (VOA).

Der VOA feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum. Planen Sie auch diesbezüglich etwas im Rahmen der Messe?

Becker: Ja, selbstverständlich! Wir bereichern die Messe mit unserem einzigartigen Projekt „stories of surfaces – 60 Jahre Oberflächenveredelung von Aluminium in Modebildern“ – eine Leistungsschau der Oberflächenveredelungsbranche. Wir präsentieren sie voller Stolz oberflächenverliebt, vielfältig, selbstbewusst und begeistern für die Aluminiumoberflächen in all ihren Facetten. Bei der Premiere der Modekollektion, die gemeinsam mit der Akademie für Mode & Design in München entstand, zeigten unsere Mitgliedsunternehmen den über 130 geladenen internationalen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Medien sage und schreibe 13 Outfits aus oberflächenveredeltem Aluminium. Seien Sie gespannt auf einige ausgewählte Stücke der Kollektion!

Wir bereichern die Messe mit unserem einzigartigen Projekt „stories of surfaces – 60 Jahre Oberflächenveredelung von Aluminium in Modebildern“

Der VOA wird im Rahmen der Aluminium Conference auch einen Vortrag hosten. Können Sie kurz etwas zum Thema sagen?

Becker: Beim VOA arbeiten unsere Mitgliedsunternehmen im technischen Bereich in zahlreichen Projektgruppen zusammen, um das Know-how der Branche zu bündeln und weiterzuentwickeln. Eine der Projektgruppen erstellte unter der Leitung von Matthias Krämer, Leiter Technik beim VOA, die umfangreichen Dokumentenpakete „Anodisation“ und „Beschichtung“ für die Prozessdokumentation.

Die technisch versierten Experten schufen praxisnah zu nutzende Werke, um die Qualität der Produktionen firmenintern zu analysieren, zu dokumentieren und möglicherweise individuelle Verbesserungspotenziale zu heben. Besonderen Wert legte die Projektgruppe dabei auf die praktische Umsetzung der Spezifikationen der internationalen Qualitätszeichen QUALANOD für die Anodisation und QUALICOAT für die Beschichtung, deren Generallizenznehmer der VOA in Deutschland ist.

Kurz und gut: Die Besucher des Fachvortrags erwarten umfangreiche Informationen zum Sinn und Zweck der Dokumentenpakete für die Weiterentwicklung des Unternehmens.

 

Aluminium gilt als ein Werkstoff, der sich exzellent für eine Circular Economy eignet. Inwieweit ist dies ein Thema im Verband beziehungsweise bei seinen Mitgliedern?

Becker: Wir denken fast täglich darüber nach! Das Grundmaterial Aluminium benötigt für den Gebrauch in jeglichen Bereichen eine Oberfläche – ob für die Innen- oder Außenanwendung. Hier gilt es, sowohl Primär- als auch Sekundäraluminium, also recycelten Werkstoff, mit den vom Kunden gewünschten Eigenschaften für die Oberfläche zu versehen. Dabei stellt sich die Frage, ob beide Materialien gleich zu behandeln sind oder ob die Oberflächenveredelungsbranche gefordert ist, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um für das auf den Markt strebende recycelte Material mit nachhaltiger Energiebilanz die gleiche qualitativ hochwertige Oberfläche zu zaubern wie bei Primäraluminium.

 

Und wie ist hier der aktuelle Stand?

Becker: Gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedern starteten wir die Benchmarkstudie „Oberflächenveredelung von Aluminium aus Recyclingmaterial“. In einem festgelegten Procedere unternahmen die Eloxal- und Beschichtungsbetriebe Versuche mit Sekundäraluminium, um anschließend ihre individuellen sowie auch die anonymisierten Gesamtergebnisse zu erhalten. Somit bekam jedes teilnehmende Mitglied eine fundierte Einschätzung, inwieweit es mit seinen Prozessen technisch auf die Veredelung von Recyclingmaterial vorbereitet ist und wo es im Vergleich mit den anderen Studienteilnehmern steht.

Die spannenden Erkenntnisse flossen auch bei unserem europäischen Dachverband sowie bei den beiden Generallizenzgeberorganisationen QUALANOD und QUALICOAT ein. Bei QUALICOAT gibt es das Projekt QUALICOAT 3.0, das fortschrittliche und auf Nachhaltigkeit bedachte Architekten und Fassadenbauer ermuntert, das neue Zeichen für bestimmte Projekte zu nutzen. Aber das ist erst der Anfang eines großen Schrittes, der in der Baubranche international zu gehen sein wird.

Das ist erst der Anfang eines großen Schrittes, der in der Baubranche international zu gehen sein wird.

 

Wie sehr unterliegt Ihr Bereich F&E? Können Sie hier spannende Entwicklungen der letzten Zeit nennen? Oder vielleicht auch Visionen, die am Horizont auftauchen?

Becker: Forschung und Entwicklung sind zentrale Themen in unserem Verband und natürlich auch bei jedem unserer Mitgliedsunternehmen fest verwurzelt. Das zeigt sich nicht unbedingt in großen Forschungsabteilungen, dafür aber im Betriebsalltag. Viele Themen nehmen wir als Verband auf und entwickeln gemeinsam mit unseren Mitgliedern praxisnahe Lösungen für die Branche. Daraus entstehen Merkblätter für die tägliche Arbeit oder die Anpassung der Spezifikationen für die beiden internationalen Qualitätszeichen und für das eigene Zeichen QUALISTRIP. Das Zeichen wird übrigens Unternehmen verliehen, die im Bereich der Entlackung von Werkstoffen tätig sind.

Uns beschäftigen die politischen Rahmenbedingungen für die Unternehmen und hier aktuell die Themen Energiesicherheit und die Bezahlbarkeit von Energie. Wir informieren die Mitgliedsunternehmen in digitalen Medien schnell und aktuell über sehr vieles, das ihren Alltag betrifft. Das unbeschreiblich gute VOA-Netzwerk besteht aus zahlreichen wichtigen Unternehmen in verschiedenen Bereichen, die sich gegenseitig unterstützen. Glücklicherweise schafft das Netzwerk die Möglichkeit, andere Mitgliedsunternehmen zu kontaktieren. Auf unserer Homepage bieten wir beispielsweise die Rubrik „Von Mitgliedern für Mitglieder“, in der zeitnah interessante Informationen aus unterschiedlichen Fachbereichen intern für die Mitgliedsunternehmen eingestellt werden.

 

Sie sprechen die politischen Rahmenbedingungen an. Inwiefern arbeitet der VOA mit politischen Entscheidungsträgern zusammen?

Becker: Wie bringen das Know-how der Branche bei Gesetzesvorhaben oder auch bei der Neuregelung von behördlichen Vorgaben ein, beispielsweise bei der Neufassung des BREF STM (Best Available Techniques Reference Document Surface Treatment of Metals and Plastics) auf deutscher und auf EU-Ebene. Die BREF-Dokumente enthalten sowohl Details zur Anlagentechnik als auch konkrete Anforderungen zu Ressourcenverbräuchen. Bei Neugenehmigungen von Anlagen, zum Beispiel nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, berücksichtigen die Behörden die Anforderungen der einschlägigen BREF-Dokumente, die für circa zehn bis 15 Jahre Gültigkeit besitzen.

Allerdings steht derzeit für unsere Unternehmen – wie für viele Industriezweige – die Energiesicherheit und auch die Bezahlbarkeit stark im Vordergrund. Hier ist jedes Unternehmen gefordert, sein Konzept weiterzuentwickeln und auf Grundlage von F&E auszurichten, um seine Zukunft zu sichern.

 

Und was den Horizont betrifft?

Becker: Am Horizont sehe ich die vielen Herausforderungen, die es gemeinsam zu meistern gilt; doch unseren Verband – und damit natürlich die Branche – gibt es seit mehr als 60 Jahren. In dieser Zeit galt es schon viele Höhen und Tiefen, sowohl konjunkturell als auch in politischer Hinsicht, zu meistern. Ich bin stolz, dass die Oberflächenveredelungsbranche die Herausforderungen anpackt. Dies werden wir auch auf der ALUMINIUM zeigen.