• 27. – 29. September 2022
  • Messegelände Düsseldorf

Stimmungsbarometer: Was bewegt die Aussteller?

27. Juli 2022
Düsseldorf

Die Industrie erlebt massive Umbrüche, und die Branche muss darauf reagieren. Welche Herausforderungen kommen auf die Aluminiumindustrie zu? Welche Themen bewegen die Aussteller derzeit? Wir haben nachgefragt.

 

 

Rob van Gils, CEO, HAI Hammerer Aluminium Industries

Obwohl wir zurzeit mit einem sehr volatilen Umfeld klarkommen müssen, sind wir mittel- und langfristig sehr optimistisch. Aluminium ist ein Enabler des Green Deals, und die derzeit hohe Nachfrage wird weiter steigen – ob im Bereich der regenerativen Energie oder in der Elektromobilität, die kräftig an Fahrt gewinnt und unserem Geschäft hohe Dynamik bringt. In einem Elektrofahrzeug wird deutlich mehr Aluminium verbaut, als in herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Auf die Knappheit bei Kabelbäumen und Microchips reagierten die OEMs mit einer Repriorisierung, E-Projekte werden vorrangig beliefert.

Kurzfristig drückt der Ukrainekrieg auf die Stimmung. Wir alle spüren die Folgen des Krieges – der Konflikt befeuert die Rohstoff- und Energiepreise auf drastische Weise, und die Aussicht auf mögliche Lieferstopps bei Gas stimmt nicht gerade positiv. Auch die noch immer nicht ausgestandene Coronakrise trägt nicht zur Planungssicherheit bei. Die 0-Covid-Politik in China wird uns weiterhin gestörte Lieferketten bescheren. All diese Themen sind Herausforderungen, die wir kurz-, mittel- und langfristig zu stemmen haben. Bei HAI stehen wir zu 100 % hinter dem Green Deal, aber in Europa haben wir es verabsäumt, uns strategisch zu rüsten. Eine nachhaltige Schädigung der Aluminiumindustrie ist zu dringend vermeiden – der Weg und die Absicherung eines level playing fields (!) sind für die Wettbewerbsfähigkeit essenziell (CBAM, carbon leakage).

Trotz allem entwickelt sich die europäische Aluminiumindustrie in die richtige Richtung. Der Ausbau der erneuerbaren Energie läuft gut voran – muss aber für eine echte Energiewende noch viel schneller erfolgen. Ein weiterer, wesentlicher Teil der Lösung ist der Ausbau von Aluminiumrecycling – sowohl von recyclingfähigen Legierungen als auch von recyclingfähigen Designs – um die Rücklauf- und Wiederverwertungsprozesse zu vereinfachen.

Tom Jansen, Segment Manager Metals, Tomra

Eine der derzeit größten Herausforderungen ist es, die Lücke zwischen dem aktuellen Aluminiumbedarf und dem verfügbaren Recyclingmaterial zu schließen. Dabei gilt es, schnell zu sein, um die weiter steigende Nachfrage zu befriedigen, und gleichzeitig die immer strengeren Qualitätsanforderungen zu erfüllen.

Bei TOMRA sind wir überzeugt: Die Lösung liegt in modernen Sortiersystemen. Mit ihnen können wir die Rückgewinnungsraten maximieren, größere Mengen recyceln und den Markt mit erstklassigen Aluminiumrezyklaten versorgen. Das wiederum ermöglicht es uns, die CO2-Emissionsziele zu erreichen und Aluminium grüner zu machen.

Eines der besten Beispiele, wie wir die Branche bei dieser Aufgabe unterstützen, ist unser neuer X-TRACT, den wir erst im Mai auf den Markt gebracht haben und der sicherlich das Top-Thema an unserem Messestand sein wird. Dank einer Vielzahl an neuen und verbesserten Funktionen konnten wir die Sortierung komplexer gemischter Metallströme weiter verbessern.

Das Ergebnis sind eine präzisere Materialerkennung, höherer Durchsatz und noch mehr: Unsere weiterentwickelte Software identifiziert und trennt sogar nebeneinander liegende, sich überlappende und zusammengesetzte Materialien sorgfältig. Und selbst bei hohem Durchsatz lassen sich hochreine Aluminiumfraktionen herstellen, die direkt dem Schmelzofen zugeführt werden können und unseren Kunden zu einem noch besseren Sortiererlebnis verhelfen.

Ralf Barten, Member of the Board, Gestamp ETEM Automotive/ETEM Gestamp Extrusions

Die wichtigste Frage, die uns bewegt, ist der CO2-Fußabdruck. Alles was mit Recycling, Wiederverwertbarkeit oder Green Energy zu tun hat, steht im Mittelpunkt unserer Aktivitäten.

Die Aluminiumindustrie in Europa nimmt ihr Engagement für eine Energie- und ressourceneffiziente Verarbeitung sehr ernst. Ökologische und ökonomische Aspekte haben große Bedeutung und sind Prüfstein für die Bewertung der Produkte und Verfahren.

Der Megatrend Elektromobilität hat einen Boom bei den Strangpresswerken ausgelöst. Und das ist wahrscheinlich erst der Anfang. Wenn alles realisiert wird, was die OEM planen, wird der Werkstoff Aluminium auf jeden Fall profitieren. Aluminium hat aufgrund der Notwendigkeit zum Leichtbau diverse Vorteile.

Letztlich wird es je nach Anwendung und technischer Konzeption eine Mischung der verschiedenen Materialien und Werkstoffen sein, die in der Elektromobilität Verwendung finden. Wo der Markt hinläuft, bleibt abzuwarten. Es ist vieles noch disruptiv, aber wir sind für Aluminium zuversichtlich.

Moritz Hansen, Head of Communication & Marketing, Speira

Die gesamte Aluminiumindustrie steht derzeit vor kurzfristigen, aber eben auch langfristigen Herausforderungen, die gleichermaßen Chance bieten. Natürlich steht die diesjährige Messe auch im Schatten des Kriegs in der Ukraine und den sich daraus ergebenden riesigen Herausforderungen für die Industrie hinsichtlich der Rohstoffversorgung.

Gleichzeitig sind wir uns bei Speira der langfristigen Herausforderung der Dekarbonisierung der Industrie bewusst und arbeiten täglich daran, unseren CO2-Fußabdruck kontinuierlich zu senken.

Als Speira sehen wir uns nicht mehr ausschließlich als Aluminium-Walzunternehmen. Vielmehr definieren wir uns als Aluminium-Walz- und Recyclingunternehmen, mit dem Zweck, eine Welt zu bauen, die rund läuft. Kreislaufwirtschaft ist elementar für die nachhaltige Transformation unseres Geschäfts, und darauf setzen wir.

Gepaart mit unserer Innovationskraft sehen wir uns auf einem guten Weg, uns zum Branchenmaßstab beim Thema Nachhaltigkeit zu entwickeln. 

Martin McVicar, CEO & Mitbegründer, Combilift

Ein Schwerpunkt der ALUMINIUM 2022 ist die Nachhaltigkeit, die Kreislaufwirtschaft und die Eigenschaften von Aluminium selbst als zukunftssicheres Material, das einfach und kostengünstig recycelt werden kann. Auch die Reduzierung von Emissionen ist ein Thema, das für die Hersteller von z.B Flurförderzeugen immer wichtiger wird und dazu geführt hat, dass heute immer mehr elektrisch betriebene Optionen angeboten werden. Die an dem Combilift-Messestand ausgestellten Handlingslösungen spiegeln diesen Trend wider, da die meisten Exponate mit Elektroantrieb ausgestattet werden. 

Als Combilift 1998 gegründet wurde, war Diesel als die bestgeeignete Stromquelle für Industriefahrzeuge und -geräte anerkannt. Die Technologie hat sich aber seitdem weiterentwickelt, und die verbesserte Batterieleistung der elektrisch betriebenen Stapler ermöglicht immer größere Hubkapazitäten, längere Betriebszeiten und viel längere Intervalle zwischen den Aufladungen. Mehr als 60 % der Stapler, die bei uns in Monaghan vom Band laufen, sind inzwischen elektrisch angetrieben, und diese wachsende Nachfrage reflektiert die Wünsche unserer Kunden, die sich ebenso wie wir für Nachhaltigkeit und eine Kreislaufwirtschaft einsetzen.

Thomas Reuther, Mitglied des Vorstands, Trimet Aluminium

Die gesamte Wertschöpfungskette in der Aluminiumindustrie steht vor gewaltigen Veränderungen. So wird der Ruf nach CO2-freien Produkten immer lauter. Als lokaler Produzent stellt sich Trimet diesen Herausforderungen und hat schon vor Jahren begonnen, die Produktion darauf auszurichten.

Die ALUMINIUM bietet uns eine hervorragende Plattform, um mit unseren Partnern aus verschiedenen Fertigungsebenen die künftigen Anforderungen gemeinsam angehen zu können – sauber, sicher und nachhaltig.

Neben der Produktion von Primäraluminium spielt auch das Recycling eine zunehmend größere Rolle, wenn wir von CO2-freien Aluminiumprodukten sprechen. „Design für Recycling“ ist hier das Stichwort – also ein Produktdesign, das die vollständige Wiederverwertung mitdenkt.

Erst dann kann die Kreislaufwirtschaft ökonomisch und ökologisch wirklich funktionieren. Für uns bei Trimet ist das eine wichtige Etappe auf dem Weg zur CO2-freien Herstellung von Aluminium bis 2045.

Erwin Altendorfer, Leiter Competence Centers Holz und Profiltechnik, Fill

Die aktuellen Zeiten sind natürlich schwierig. Steigende Energiepreise, die energieintensive Herstellung, Schwierigkeiten in der Supply-Chain, die Russland-Ukraine-Krise, … All diese Themen stellen sehr große Herausforderungen für die Industrie dar.

Was die technischen Weiterentwicklungen in unserem Wettbewerbsumfeld betrifft, spüren wir deutlich, dass der Drang nach Automatisierung noch stärker wird – mittlerweile fast immer in Kombination mit Leitsystemen, Kameramodulen, KI-Anwendungen etc.

Der Schwerpunkt verlagert sich also immer weiter weg vom eigentlichen Maschinenbau hin zu Bits und Bytes. Ich denke, diesen Anforderungen werden auch die Mitbewerber gerecht werden. Fill ist mit seinem umfassenden Angebot an digitalen Produkten (FILL CYBERNETICS) jedenfalls bestens aufgestellt.

Göksal Güngör, General Manager, Assan Alüminyum

Die Aluminiumindustrie hat die COVID-19-Pandemie relativ gut überstanden. Daher sehen wir für die nahe Zukunft einen positiven Ausblick mit einer weiterhin starken Nachfrage.

Die Aluminiumindustrie ist auch gut positioniert, um bei der bevorstehenden Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft eine Schlüsselrolle zu spielen, da Aluminiumprodukte zu 100 % recycelbar sind und sie schon immer eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit gespielt hat. Einer der Kernwerte von Assan Alüminyum ist die Nachhaltigkeit. Wir haben schon vor Jahren begonnen, in Nachhaltigkeit zu investieren, und zwar mit unserer Produktionsanlage für erneuerbare Energien, mit der wir Zertifikate für erneuerbare Energien (I-RECs) generieren und unsere Scope-2-Emissionen ausgleichen. Assan Alüminyum folgt dem globalen Nachhaltigkeitsrahmen der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) und hat seit Anfang dieses Jahres das ASI Performance Standard Zertifikat für seine Produktions- und Recyclinganlagen erhalten.

Fit for 55 ist eine Herausforderung für unsere Branche, da es das Ziel vorgibt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % zu reduzieren. Recycling ist ebenfalls wichtig für die Nachhaltigkeit, stellt aber auch eine Herausforderung dar, da es kein guter Indikator für Nachhaltigkeit ist, da die Verfügbarkeit von Schrott auf den Märkten sehr begrenzt ist und durch den langen Transport von Schrott potenziell höhere Kohlenstoffemissionen freigesetzt werden. Assan Alüminyum kauft und verarbeitet in seinen integrierten Recyclinganlagen so viel Schrott, wie es bekommen kann.

Schließlich wirken sich auch globale politische Krisen wie die zwischen der Ukraine und Russland und makroökonomische Probleme wie die weltweit steigende Inflation negativ auf unsere Branche aus. Auch wenn wir noch nicht absehen können, welche Herausforderungen diese Probleme mit sich bringen werden, so ist doch absehbar, dass widerstandsfähige Unternehmen mit einem wirksamen Risikomanagement, wie Assan Alüminyum, diese schwierigen Zeiten überstehen werden.

Jürgen Kreutzer, Geschäftsführer, Reimann GmbH

Die Aluminiumbranche steht mehr denn je unter Zugzwang – sowohl was die steigenden Rohstoffpreise, den Fachkräftemangel und insbesondere auch die Energiekosten anbelangt. Hier erwarten wir auf absehbare Zeit keine Erholung, insbesondere auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Russland-Krieges.

Im Vordergrund unseres diesjährigen Messeauftritts stehen daher Lösungen zur energieeffizienten Industrieofensanierung. Unter anderem bieten wir unseren Kunden den Einbau von Widerstandsheizungen bzw. den Umbau der Öfen von Erdgas- auf Elektrobeheizung an. Damit geben wir die Antwort auf die nötigen Umstellungen beim Betrieb von Industrieöfen hin zu umweltfreundlichen Energieträgern.

Wir sehen bereits jetzt, dass die Unternehmen verstärkt in diesem Bereich investieren. Und werden wir in den kommenden 1-2 Jahren noch weitere bahnbrechende Entwicklungen sehen, davon bin ich überzeugt. Dabei wird es um fossilfreie Energieträger zur Beheizung der Öfen gehen – neben Strom gegebenenfalls auch Wasserstoff.

Um den Lieferengpässen zu begegnen, haben wir wie viele andere Unternehmen in der Branche in stärkere Lagerhaltung investiert. Wo möglich, greifen wir auch auf alternative Materialien oder Stahlqualitäten zurück. Wir sehen auch, dass unsere Kunden sich auf die absehbare Verknappung der Gaslieferungen vorbereiten, denn wir verzeichnen eine stärkere Nachfrage nach einer Umrüstung bestehender Öfen hin zu einer Elektrobeheizung.