• 27. – 29. September 2022
  • Messegelände Düsseldorf

Aluminium als Vorreiter beim Klimaschutz

21. Juli 2022
Düsseldorf

Die Aluminiumindustrie in Europa befasst sich schon seit vielen Jahren intensiv mit der nachhaltigen Produktion und Verarbeitung ihres Werkstoffes. Aluminium steht immer wieder in der Kritik. Die Gründe sind einerseits Auswirkungen des Bauxitabbaus und der hohe Energieaufwand bei der Ersterzeugung, auf der anderen Seite spielt bei der energieintensiven Verarbeitung und Erzeugung des silbernen Metalls die Effizienz in den Betrieben eine ökonomisch wichtige Rolle. Die Nichteisen-Metallindustrie hat eine Vorreiterrolle. Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten ist man in den Betrieben aktiv geworden und hat Grundlagen für die heutigen Verfahren zum Klimaschutz geschaffen.

Die Aluminiumindustrie in Europa nimmt Ihr Engagement für eine Energie- und ressourceneffiziente Verarbeitung sehr ernst. Ökologische und ökonomische Aspekte haben große Bedeutung und sind Prüfstein für die Bewertung der Produkte und Verfahren. Aluminium leistet heute seinen aktiven Beitrag in einer nachhaltigen Gesellschaft und ist ein festes Glied in Wertschöpfungskette zeitgemäßer Produkte.

Bereits 2008 haben 20 Unternehmen der Nichteisen-Metallindustrie damit begonnen, Beispiele für Energieeffizienz-Projekte in Unternehmen zu sammeln und beispielhaft einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Was vor 15 Jahren als Initiative „Metalle pro Klima“ von der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM) initiiert wurde, hat sich inzwischen auf breiter Front bewährt. Vielfach sind diese Erfahrungen heute Grundlage für eine signifikante Senkung der Energieverbräuche und CO2-Emissionen. Die Branche hat schon damals gelernt, sich ernst- und gewissenhaft mit möglichen Kritikpunkten zu befassen und nach Lösungen zu suchen. Schließlich gehörten Aluminium-Unternehmen zu den Vorreitern beim Klimaschutz. Die notwendige Energie wird so effizient wie möglich genutzt, an vielen Stellen zurückgewonnen, umgewandelt oder – beispielsweise – als Fernwärme in die Nachbarschaft geliefert.

 

ASI setzt Standards

Einen ergänzenden Aspekt verfolgt mit großem Erfolg die Aluminium Stewardship Initiative (ASI). Hier setzt man sich für den nachhaltigen Umgang mit Aluminium entlang der Wertschöpfungskette ein. Die Non-Profit-Organisation hat mit Anwenderindustrien, Verbänden und lokalen Organisationen Standards und ein Zertifizierungssystem für die Produktion und den Umgang mit Aluminium erarbeitet. 

 

Die Branche hat gelernt, sich ernst- und gewissenhaft mit möglichen Kritikpunkten zu befassen und nach Lösungen zu suchen. Schließlich gehörten Aluminium-Unternehmen zu den Vorreitern beim Klimaschutz.

Das international wirkende Zertifizierungssystem von ASI soll als Beitrag der Branche zu einer nachhaltigen Gesellschaft maximiert werden. Nach Ansicht der Geschäftsführerin Fiona Solomon ist es die Aufgabe der Stakeholder in der Aluminiumindustrie, für verantwortungsbewusste Produktion, Beschaffung und Management von Aluminium zu sorgen. Dabei sollen primär folgende Ziele erreicht werden:

  • Erhöhung der Transparenz und Glaubwürdigkeit
  • Zertifizierung von „nachhaltigem“ Aluminium oder Stahl
  • Steigerung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte entlang der Lieferkette

Auch hier nimmt die Aluminium-Industrie wieder eine Vorreiterrolle ein. Das bestätigt die Expertin Fiona Solomon: „Die Aluminiumindustrie kann zu Recht stolz sein auf den ASI-Ansatz für die gesamte Wertschöpfungskette, auf die starke Akzeptanz und das Engagement der Stakeholder sowie auf den Wunsch, weiterhin eine Vorreiterrolle bei der verantwortungsvollen Produktion und Beschaffung zu spielen“.

Nicht immer sind die Zertifizierungen eine völlig freiwillige Leistung. Für Abnehmer aus der Automobilindustrie gehören Zertifikate zum „guten Ton“. Für die Unternehmen entstehen Vorteile: Sie erhöhen die Transparenz der Lieferkette, Optimierungspotenziale werden erkannt, der Produktionsablauf wird nachhaltiger, Teilnehmer signalisieren ökologische, ethische und soziale Engagements und verbessern ihr Image (Erwartungen nachhaltigkeitsbewusster Kunden erfüllen) und erlangen Wettbewerbsvorteile, mit denen sie sich von Konkurrenzprodukten abheben können. Die Zertifizierung der beiden Standards bieten mittlerweile fast alle größeren akkreditierten Zertifizierungsgesellschaften an.

 

Grünes Aluminium

Daneben sind es viele Einzelmaßnahmen, mit denen sich Unternehmen der Aluminium-Industrie in Sachen Klimaschutz gut aufstellen oder das Ziel verfolgen, sich von den Energiepreisen unabhängiger zu machen. Nahezu alle Unternehmensstandorte der europäischen Industrie wurden in der Vergangenheit hinsichtlich der Erzeugung von Strom durch PV-Anlagen geprüft. Die Sonnenenergie ist eine wichtige Säule in der Strategie, den CO2-Fußabdruck von Aluminiumprodukten zu senken. Wo das nicht ausreicht, wird für die Fertigung grüne Energie eingekauft. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Ein Beispiel: Rob van Gils, CEO der Hammerer Aluminium Industries-Gruppe (HAI), hat 2020 an den beiden Standorten Ranshofen (Österreich) und Soest durch den Einkauf von 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen in einem Jahr mehr als 21.000 Tonnen CO2 eingespart. „Green Energy gehört zu unserer kompromisslosen Nachhaltigkeitsstrategie. Damit unterstreichen wir unseren Willen, einen Beitrag zu einer besseren Zukunft zu leisten und zeigen, dass Aluminium ein Teil der Lösung für die Ambitionen des EU Green Deal ist.“

Nahezu alle Unternehmensstandorte der europäischen Industrie wurden in der Vergangenheit hinsichtlich der Erzeugung von Strom durch PV-Anlagen geprüft.

Fachleute sind sich einig, dass der CO2-Fußabdruck neben Preis, Qualität und Liefertreue eine wichtige Rolle spielt. Längst kommen von Kunden die Anfragen, wie es um eine CO2-freie Produktion bestellt ist. Der schwedische Automobilhersteller Volvo verlangt von seinen Zulieferunternehmen ab 2023 sogar eine weitestgehend emissionsfreie Stromversorgung für die Herstellung seiner Produkte.

Wie kreativ die Industrie auf solche Wünsche reagiert, zeigt ein Beispiel bei Neuman Aluminium im österreichischen Marktl. Neben dem konsequenten Ausbau der verfügbaren Wasserkraft wurde eine Photovoltaikgroßanlage mit einer Mitarbeiterbeteiligung errichtet. Über 40 Mitarbeiter konnten bei sich zu Hause eine PV-Anlage errichten lassen. Durch die Bündelung der vielen Bestellungen werden sich die Investitionen bereits nach acht Jahren statt der üblichen zwölf bis 15 Jahre rechnen.

 

CO2-Fußabdruck entscheidet

Kein Wunder also, dass jedes Unternehmen inzwischen eigene Abteilungen beschäftigt, die sich vorrangig mit Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Umwelt- und Klimaaspekten, oder Energie- und Energierückgewinnung beschäftigt. Doch auch die Entwicklungsabteilungen werden in die Pflicht genommen: Nicht nur der Anteil von recyceltem Aluminium in einem Produkt spielt eine Rolle. Auch die technischen Produktkosten und Material-Kennzahlen werden genau beleuchtet. Hier sehen Experten eine Chance, der ungeliebten Preisdiskussion um Produkte mit reduziertem CO2-Fußabdruck zu entgehen. Wenn ein Kunde variabel über den CO2-Fußabdruck in seinem Produkt entscheiden kann, würde das eine Preisdiskussion deutlich erleichtern.

Ein weiteres Beispiel für das Engagement im Zusammenhang mit Umwelt- und Klimaschutz ist der Grundstoffhersteller Trimet Aluminium SE. Von dort werden Verarbeiter der gesamten Wertschöpfungskette mit Basisprodukten aus Aluminium beliefert. Entsprechend hoch ist der Energie- und Kapitalbedarf für Investitionen in den Klimaschutz. Bis zu 250 Millionen Euro stehen dem Familienunternehmen in den nächsten fünf Jahren zur Verfügung, um das Ziel zu erreichen, bis 2045 klimaneutral zu produzieren. „Diese Kreditlinie mit ihren besonderen Konditionen sind eine Bestätigung unserer Strategie, mit Investitionen in Nachhaltigkeit die Trimet-Standorte zukunftsfähig zu machen und unsere Wettbewerbsfähigkeit als heimischer Werkstoffproduzent zu fördern“, sagt Philipp Schlüter, Vorsitzender des Vorstands der Trimet Aluminium SE.

In Fragen der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes und anderer ökologischer Footprints kann das Leichtgewicht Aluminium eine hervorragende Leistungsbilanz vorweisen. Dabei wird die Ressourceneffizienz von Produkten erst richtig deutlich, wenn der gesamte Lebenszyklus betrachtet wird – von der Metallgewinnung über die Verarbeitung zu Halbzeugen und Endprodukten bis hin zu Nutzung und dem Recycling.

Text: Alwin Schmitt, Bild: Shutterstock