• 27. – 29. September 2022
  • Messegelände Düsseldorf

„Ich sehe große Perspektiven für Aluminium“

29. September 2022
Düsseldorf

© RX Austria & Germany/FotoBehrendt

Wie kann, wie soll die europäische Aluminiumindustrie in der aktuellen Lage agieren? ALUMINIUM hat Rob van Gils, dem Präsidenten von Aluminium Deutschland, im Rahmen der Messe ein paar Fragen gestellt.

ALUMINIUM: Herr van Gils, wie würden Sie die aktuelle Situation der europäischen Aluminiumindustrie beschreiben?

Rob van Gils: Sie ist ernst, würde ich sagen. Das ist offensichtlich, denn dieser Energiewahnsinn gefährdet wirklich unsere Wettbewerbsfähigkeit. Und das ist etwas, das die Industrie alleine nicht lösen kann. Wir brauchen also politische Unterstützung und Lösungen, denn schließlich müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir auf globaler Ebene konkurrieren, und wir wollen nicht, dass die europäische Industrie pleitegeht. Wir müssen diese Situation für die europäische Gesellschaft irgendwie in den Griff bekommen.

 

Einige Menschen sprechen von Deindustrialisierung in Europa. Ist das ein mögliches Worst-Case-Szenario?

van Gils: Das wäre natürlich das Worst-Case-Szenario. Wenn wir die hohen Energiepreise beibehalten, würden wir aus dem Wettbewerb ausscheiden, und viele Materialien würden von außerhalb Europas kommen. Das würde unsere Abhängigkeiten erhöhen – und wir lernen gerade, was solche Abhängigkeiten mit uns machen. Die Industrie ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Zukunft, und sie wird für den Übergang, der vor uns liegt, gebraucht.

 

„Wir müssen diese Situation für die europäische Gesellschaft irgendwie in den Griff bekommen."

 

Gibt es etwas, das die Aluminiumindustrie selbst jetzt tun kann?

van Gils: Ja und nein. Probleme wie die hohen Energiepreise können natürlich nicht von der Branche selbst gelöst werden. Wir können mehr tun, um das Recycling zu fördern, aber da sind wir ja schon ganz vorne mit dabei. Wenn Sie sich hier auf der Messe umsehen, werden Sie feststellen, dass sich alle Unternehmen wirklich darauf konzentrieren. Sie sehen also, dass wir bereits tun, was wir können. Aber die Lösung für die hohen Energiepreise wird nicht mehr das Recycling sein.

 

Das Material gilt als einer der perfekten Werkstoffe, wenn es um Wiederverwertbarkeit und Nachhaltigkeit geht. Aber das scheint aktuell nicht mehr das Thema Nummer eins zu sein ...

van Gils: Ich glaube nicht, dass man es vergessen wird, aber wir müssen realistisch sein: Im Moment müssen wir die Versorgungssicherheit wirklich an die erste Stelle setzen. Das bedeutet auch, dass wir in einem ersten Schritt dafür sorgen müssen, genügend Energie zur Verfügung zu haben. Dabei werden wir auch auf Ressourcen zurückgreifen müssen, die wir nicht so gerne nutzen. Doch Nachhaltigkeit wird für uns ein sehr wichtiges Thema bleiben, daran habe ich keinen Zweifel. Der Green Deal ist da, und ich sehe nicht, dass irgendjemand davor zurückschreckt. Wir müssen nur klug damit umgehen, damit wir die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nicht völlig verlieren.

 

Welchen Beitrag kann eine Veranstaltung wie diese Messe leisten?

van Gils: Natürlich ist die Messe nach wie vor eine wichtige Plattform für uns. Hier treffen wir alle unsere Kunden und können ihnen unsere Bemühungen zeigen. Hier tauschen wir uns mit unseren Mitbewerbern auf dem Markt aus und können voneinander lernen. Natürlich gibt es Wettbewerb, und der ist auch wichtig, aber unsere stärkste Konkurrenz sind andere Materialien.

Es wird eine Zeit „danach“ kommen, und ich sehe große Perspektiven für Aluminium. In diesem Sinne: Ja, die Messe ist eine sehr wichtige Plattform für uns, um zu zeigen, was wir beitragen können.